Schriftgröße A A A
ASSESSMENT IN DER GERIATRIE

Pflegegesetzadaptiertes geriatrisches Basisassessment (PGBA)

19. Depressivität

Depressionen sind im Alter die häufigsten psychischen Störungen. Ca.10 bis 45 % der älteren Menschen leiden unter Depressionen, wobei bei der bundesweiten statistischen Erfassung sicherlich eine hohe Dunkelziffer zu vermuten ist. Depressionen gehen mit einer erhöhten Erkrankungsrate und Sterblichkeit einher, Verschlechtern die Prognose anderer Erkrankungen und bergen ein hohes Risiko zur Selbsttötung (Suizid). Depressive Störungen im Alter werden oft nicht erkannt und nicht oder nur unzureichend behandelt. Ältere Menschen suchen eher nach körperlichen Ursachen für ihre Probleme und sprechen selten über ihre psychischen Probleme, sie klagen häufig über Verstopfung, Appetitlosigkeit, innere Unruhe mit Bewegungsdrang, Schwindel und Schlafstörungen. Von der Umwelt werden die Anzeichen einer Depression meist nicht als Krankheit erkannt, sondern dem normalen Alterungsprozess zugeschrieben. Da die Anzeichen einer Altersdepression oft durch andere Krankheitsbilder verschleiert werden, fällt es häufig auch Fachpersonal schwer, eine Depression zu erkennen. Darüber hinaus können kognitive Leistungseinbussen oder gleichzeitig bestehende internmedizinische bzw. neurologische Erkrankungen zur falschen Interpretation einer depressiven Symptomatik Anlass geben. In differentialdiagnostischer Hinsicht muss die Depression im Alter in erster Linie von der Demenz abgegrenzt werden. Auch Depressionen gehen mit Konzentrationsstörungen und Gedächtniseinbussen einher, die aber im Gegensatz zur Demenz weitgehend reversibel sind.

Eine Depression kann durch zahlreiche Faktoren ausgelöst werden

  • der normale Alterungsprozess (anderer Hirnstoffwechsel begünstigt Depression)
  • Begleiterkrankungen lösen eine reaktive Depression aus (z.B. Demenz, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Krebs
  • Nährstoffmangel (häufig Mangel an Vitamin B12 und Folsäure)
  • bestimmte Medikamente können das Risiko einer Depression erhöhen
  • besondere Lebensereignisse (Gesundheitsprobleme, finanzielle Probleme, Todesfälle/ schwere Erkrankungen von Angehörigen, etc.)
  • auch der stationäre Krankenhausaufenthalt mit der Realisierung der eigenen Hilfsbedürftigkeit kann eine depressive Stimmungslage auslösen

Während des stationären Aufenthaltes gilt es auch die psychische Verfassung abzufragen. Bestehen Hinweise für eine Depression, so werden Fragebögen zur Evaluation der Stimmung und Befindlichkeit angewendet (Hamilton-Depressions-Skala, Geriatrische-Depressions-Skala nach Yesavage). Besteht darüber hinaus ein diagnostischer oder therapeutischer Interventionsbedarf, so erfolgt die weitere Behandlung in Zusammenarbeit mit der Gerontopsychiatrischen Abteilung im Hause.