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ASSESSMENT IN DER GERIATRIE

Pflegegesetzadaptiertes geriatrisches Basisassessment (PGBA)

11. Ausscheiden können

Stuhlinkontinenz

Das Unvermögen Stuhl zu halten ist weitaus seltener als die Harninkontinenz. Aber auch hier kann die Häufigkeit aufgrund der Tabuisierung des Themas nur geschätzt werden und wird bei über 65jährigen mit bis zu 5% angegeben. Bei Demenz und psychisch Erkrankten ist bis zu 30% mit einer Stuhlinkontinenz zu rechnen.

Die Ursachen der Stuhlinkontinenz sind vielfältig:

  • chronische Verstopfung mit paradoxem Durchfall
  • Krankheiten des Enddarms
  • Neurologische Erkrankungen
  • Diarrhoe (Durchfall)
  • Abführmittel

Folgende Untersuchungsmöglichkeiten kommen zur Anwendung:

  • Stuhltagebuch
  • Eß- und Trinkprotokoll
  • Allgemeine klinische Untersuchung
  • Untersuchungen des Enddarms (ggf. endoskopisch)
  • Medikamenten-Check, Multimedikation beachten

Harninkontinenz

Als Harninkontinenz bezeichnet man den unfreiwilligen Urinverlust.

Zu den entscheidenden Einflußfaktoren für das Auftreten von Inkontinenz zählen das Alter, die Multimorbidität mit Mobilitätsverlust durch Krankheit oder Unfall sowie die Hirnleistung. Die Häufigkeit für Inkontinenz liegt bei über 60jährigen in der Allgemeinbevölkerung bei ca. 10-30%, bei den über 80jährigen bis zu 40%. In Altenheimen oder Krankenhäusern wird die Häufigkeit auf bis zu 80% geschätzt. Die Tabuisierung des Themas mit einer hohen Dunkelziffer läßt jedoch eine korrekte epidemiologische Untersuchung kaum zu.

Die Harninkontinenz hat weitreichende medizinische und sozialpsychologische Auswirkungen. So ändern ältere Patienten beim Auftreten von Inkontinenz ihr Trinkverhalten, notwendige Medikamente werden nicht mehr eingenommen, die Wohnung wird nicht mehr verlassen, ein sozialer Rückzug ist oft die Folge. Harninkontinenz bedeutet für den Älteren einen Risikofaktor für eine häufigere Krankenhaus- und Pflegeheimaufnahme.

Das normale Altern bringt keineswegs immer eine Harninkontinenz mit sich. Häufig liegen organische Störungen vor, die eine effektive Therapie ermöglichen. Auch hier gilt die Erfassung und das Ansprechen des Problems als charakteristische Aufgabe der geriatrischen Behandlung. Ursächlich für eine Inkontinenz können neben der alterstypischen Veränderung der Harnblase auch Harnwegsinfekte (Blasenentzündungen) oder Medikamentennebenwirkungen sein. Auch hormonelle Störungen können eine Inkontinenz - insbesondere nachts - auslösen.

Zur Erfassung und Wertung der Symptome kommen folgende Maßnahmen zur Anwendung:

  • geriatrisches Assessment
  • klinische Untersuchung
  • Miktionsprotokoll (Blasentagebuch)
  • Urin-und Blutuntersuchung (Labor)
  • Restharnbestimmung (Ultraschall)
  • Mengenmäßige Erfassung der Ausscheidung nachts/tags
  • Medikamenten-Check, Multimedikation beachten

Die therapeutischen Möglichkeiten sind umfassend. Operative Maßnahmen erfolgen in Zusammenarbeit mit der urologischen Abteilung des Hauses. Eine medikamentöse Therapie wird durch krankengymnastische Übungen oder Toiletten- und Blasentraining ergänzt. Als letzte Option kommen Hilfsmittel wie Urin-Blasen-Katheter zum Einsatz.

Therapeutische Maßnahmen:

  • operative Maßnahmen
  • Toilettentraining/Miktionstraining
  • Krankengymnastik/physikalische Therapie
  • Instrumentelle Harnableitung
  • Patienten- und Angehörigenschulung
  • Hilfsmittelversorgung

Diagnostik, operative und medikamentöse Therapie sowie die nicht-operative und nicht medikamentöse Therapie erfolgt nach den Leitlinien der Harninkontinenz der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie

Inkontinenz-Fragebogen

Name:
Datum:
Miktionsanamnese:
Miktionshäufigkeit tagsüber
  nachts
Urgeinkontinenz: ja/nein häufig gel.
Gefühl der vollen Blase      
Starker Harndrang      
Kommt nicht rechtzeitig zur Toilette      
Streßinkontinenz: ja nein
Husten/Niesen    
Körperliche Belastung    
Lagewechsel    
Nässt ein, ohne es zu merken    
Harninkontinenz im Liegen    
Benutzt Vorlagen Stück/d
Wie viel?    
Grad der Feuchtigkeit    
Blasenentleerungsstörungen: ja nein
Schwierigkeiten zu Beginn des Wasserlassens    
Schwierigkeiten am Ende des Wasserlassens    
Strahl    
Unterbrechung der Miktion    
Sexualfunktion (Erektion)    
Allgemein: ja nein
Schmerzen beim Wasserlassen    
Harnwegsinfekt    
Obstipation    
Miktionsstörungen seit:    
Diabetes mellitus seit:    
Medikamente:    
Untersuchungen: Befund
Neurologische Untersuchungen:  
Rektal-digital:  
Urinstatus:  
Sonographie: