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ASSESSMENT IN DER GERIATRIE

Pflegegesetzadaptiertes geriatrisches Basisassessment (PGBA)

7. Dekubitus

Behandlung chronischer Wunden (Wundmanagement)

Die Anzahl von chronischen Wunden steigt mit zunehmendem Alter und zunehmender Multimorbidität (gleichzeitiges Bestehen von verschiedenen chronischen Erkrankungen). In Deutschland leiden rund 4 Millionen Menschen unter chronischen Wunden.

Bei anhaltender Immobilität entstehen durch erhöhte Druckbelastung mit einherge-henden Durchblutungsstörungen Dekubitalgeschwüre (Liegegeschwüre) an bevorzugten Körperstellen wie Gesäß, Rücken und Ferse.
Durch venöse und arterielle Durchblutungsstörungen, im Volksmund "offene Beine" genannt, kommt es im Bereich der Beine und Füße bei chronischem Verlauf zu Wundgeschwüren bzw. Nekrosen (abgestorbenes Gewebe).
Meist kommt es bei solchen Wunden aufgrund einer gestörten Stoffwechsellage, einer Fehl- und Mangelernähung sowie gestörtem Immunsystem zu einer deutlich verzögerten Heilung, die die Lebensqualität deutlich einschränkt.

Die Vermeidung eines Druckgeschwüres während des stationären Aufenthalts ist bei hilfs- und pflegebedürftigen bettlägerigen Patienten oberstes Ziel. Die Risikoeinschätzung und Wundprophylaxe erfolgt in Anlehnung an den Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege.
Zu Beginn erfolgt die Einschätzung des Dekubitiusrisikos durch die Pflege. Unterstützend erfasst eine standardisierte Einschätzungsskala nach Braden den Gefährdungsgrad.

Bewegungsplan, druckreduzierende Hilfsmittel und Lagerungshilfen ergänzen die prophylaktischen Maßnahmen. In wöchentlichen Abständen und nach Änderung des Krankheitszustandes wird eine Neubeurteilung durchgeführt.

Es erfolgt in allen Wundphasen unter einer gezielten ärztlichen Therapie nach den Kriterien der gesicherten feuchten Wundversorgung und unter zu Hilfenahme modernster Wundversorgungsprodukte die Versorgung der Patienten mit chronischen Wunden. Hierdurch kann durch eine gute und einfache Handhabung unter Vermeidung von Schmerzen und unter Verkürzung der Behandlungszeiten eine effektive Therapie gewährleistet werden. Unser Anspruch bei jedem Wundpatienten ist eine Versorgung nach dem neuesten Stand der Medizin, Wissenschaft und Technik.

Bei schon bei Aufnahme bestehenden chronischen Wunden wird zum Dokumentationsnachweis ein detaillierter Dokumentations- und Verlaufsbogen genutzt, der in Zusammenarbeit mit ärztlicher Versorgung und Pflege eine strukturierte Therapie ermöglicht. Im weiteren Verlauf erfolgt im Team die regelmäßige Wundvisite und Dokumentation. Neben der schriftlichen Dokumentation erfolgt nach Einwilligung durch den Patienten die zusätzliche digitale Fotodokumentation.

Hierfür steht ein innovatives EDV-System zur Verfügung, das unter einfachen Voraussetzungen die Archivierung, die Verlaufsdokumentation und das Bereitstellen von Bildmaterial auch für andere hausinterne Abteilungen möglich macht. Zusätzlich kann hierdurch unmittelbar eine externe konsiliarische Mitbeurteilung (Gefäßchirurgie, Allgemeinchirurgie und Plastische Chirurgie) in Diagnostik und Therapie erfolgen, ohne dass der Patient in einer anderen Abteilung vorgestellt werden muss.

Der Wundmanagement-Arbeitskreis - eine kooperative Zusammenarbeit bestehend aus ärztlichem und pflegerischen Dienst - erstellte einen Klinikleitfaden für chronische Wunden nach den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und der initiative Chronische Wunden e.V. (ICW e.V.) für die gesamte Augusta-Kranken-Anstalt.

Durch diese patienten- und qualitätsorientierte Wundbehandlung ist eine verkürzte Abheilungszeit, eine erhöhte Abheilungsrate, eine Verringerung der Wundinfektionen sowie eine Verringerung der Schmerzen beim Verbandswechsel gewährleistet.

Primäres Ziel ist die Behandlung von chronischen Wunden nach fundiertem, anerkanntem wissenschaftlichen Standard zur Erhaltung und Förderung der Lebensqualität unserer Patienten.