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ASSESSMENT IN DER GERIATRIE

Pflegegesetzadaptiertes geriatrisches Basisassessment (PGBA)

6. Gehen können

Gangstörungen

Störungen des Ganges sind ein häufig anzutreffendes Problem im Alter. In jungen Jahren beträgt die Gehgeschwindigkeit über 1,2 m/sek. Nach dem 65. Lebensjahr nimmt die Gehgeschwindigkeit um etwa 1% pro Lebensjahr ab. Dieses ist vor allem Folge der abnehmenden Schrittlänge und nicht der Schrittfrequenz.

Mehr als 10% älterer Menschen (>65) berichten über Gangstörungen oder benutzen Hilfsmittel beim Gehen, für die über 80 Jährigen steigt der Anteil auf 30%, für Heimbewohner auf über 60%. Darüber hinaus sind Gangstörungen häufig ein Leitsymptom für eine Reihe von verschiedenen Krankheitsbildern, wie Arthrosen, Kleinhirnerkrankungen, Nervenlähmungen, etc... . Bei jeder Gangstörung besteht die Gefahr des Sturzes mit oft schweren Verletzungsfolgen, die zu einem hohen Prozentsatz zu bleibender Behinderung führt.

Folgende Krankheiten gehen häufig mit einer Gangstörung einher:

Morbus Parkinson
Morbus Parkinson im Volksmund als Schüttellähmung bezeichnet geht mit einer verminderten Gehgeschwindigkeit einher, zeigt eine Muskelsteife, Probleme der Schrittauslösung sowie der Balance
 
Verkalkung der Hirngefäße (vaskuläre subcorticale Gangstrg.)
Kennzeichnend ist der schlurfende Gang mit verminderter Schritthöhe, unzureichende Koordination
 
Gesteigerter Hirndruck (Normaldruck-hydrocephalus)
Klassisch ist das Zusammentreffen dreier Symptome: 1. Gangstörung, 2. Abnahme der Hirnleistung, 3. Harninkontinenz. Durch Druckentlastung (z.B. Abpunktieren des Hirnwassers gut therapierbar)
 
Kleinhirnerkrankungen
Das Kleinhirn ist zum Teil für die Koordination von Bewegungsabläufen, sowie für das Gelichgewicht zuständig. Diese wichtigen Voraussetzungen für den Aufrechten Gang sind gestört.
 
Störungen der Sinnesorgane
Gestört sein kann das Tast-, Berührungs- und Vibrationsempfinden, sowie das Gefühl für die Lage im Raum (Tiefensensibilität). Die häufig anzutreffende Polyneuropathie führt zur Gangunsicherheit
 
Degenerative Gelenkveränderungen
Arthrosebedingte Schmerzen führen zu Veränderungen des Ganges durch Schonhaltung und Muskelabbau
 
Andere seltenere Formen
Psychische Gangstörungen mit Fallangst, Medikamentennebenwirkung, Erkrankungen am Rückenmark
 

Zur Abklärung bzw. Einschätzung des Schweregrades einer Gangstörung und Sturzgefahr führen wir folgende Tests durch:

Sturz

Das Phänomen des Sturzes im Alter gehört zu einem der häufigsten Syndrome der geriatrischen Medizin. Der Sturz hat oft deletäre Folgen. Hüftgelenksnahe Knochenbrüche (Frakturen) oder Brüche der Wirbelkörper führen oft zum Verlust der Selbständigkeit im Alter und sind Gründe für Pflegebedürftigkeit oder Heimeinweisung. Für viele Sturzpatienten führt dieses zum Rückzug aus dem aktiven Leben, zerstört das Selbstwertgefühl und fördert Perspektivlosigkeit.

Die Sturzhäufigkeit alter Menschen wird unterschätzt. Ca. 30% der über 65 Jährigen stürzt mindestens einmal im Jahr, mit einem Anstieg der Häufigkeit um ca. 10% pro Lebensdekade. Bei ca. 10% der Stürze muß mit behandlungsbedürftigen Folgen gerechnet werden, wobei es sich hierbei etwa zur Hälfte um Frakturen handelt. Die übrigen Probleme umfassen versorgungsbedürftige Wunden, Prellungen und Schädel-Hirn-Traumen.

Die Mehrzahl der Stürze im Alter sind multifaktoriell begründet, d.h. das Zusammenkommen einer Reihe von krankheitsbedingten Ausfällen führt schlussendlich zu einer Gangunsicherheit mit den Folgen eines Sturzes. Zu unterscheiden sind extrinsische von intrinsischen Faktoren. Intrinsisch bedeutet z.B. neurologische Erkrankungen, Sehbehinderung, Hörminderung, Deformierung der unteren Extremitäten, Gangstörungen sowie die Einnahme bestimmter Medikamente. Als extrinsische Faktoren bezeichnet man äußere Einwirkungen, die zu einem Kontrollverlust des aufrechten Ganges führen (Beeinträchtigung der Bewegungsablaufes und des Gleichgewichtes).

Ziel des Sturzassessments:

  • Evaluation der Sturzursachen
  • Aufzeigen des patientenindividuellen Risikoprofils zur Vermeidung/Verminderung erneuter Stürze
  • Selektion von Sturzpatienten mit Rehabilitationspotential
  • Minderung von Pflegebedürftigkeit
Quantifizierende Testverfahren - Sturz
     
Tinetti - Test (Score) Balance: Gang:
     
Up & Go Test   Sec.
     
Chair stand ups (5)   Sec.
     
Romberg - Test (geschlossen, offen)   Sec.
     
Tandemstand   Sec.
     
Semitandemstand   Sec.
     
Gehgeschwindigkeit   m/s
     
Einbeinstand   Sec.
     
Sternalstoß    
     
Esslinger Transferskala H  
     
Handkraftmessung   kp
     
Sehstörung - Snellen-Tafel    
     
Hörstörung Whisper-Test    
     
Blutdruck Liegen / Stehen mmHg mmHg