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ASSESSMENT IN DER GERIATRIE

Pflegegesetzadaptiertes geriatrisches Basisassessment (PGBA)

3. Neurologische Störungen

Alterstypische Veränderungen betreffen auch das Nervensystem. So kommt es mit zunehmendem Alter in individuell unterschiedlicher Ausprägung zum Verlust von Nervenzellen, zu einer verzögerten Nervenleitgeschwindigkeit oder zum Nachlassen des Reaktionsvermögens. Die Altersmedizin befaßt sich vornehmlich mit folgenden altersassoziierten neurologischen Erkrankungen:

Schlaganfall

Der Schlaganfall (Apoplex) nimmt in den industrialisierten Ländern heute nach Herzkreislauferkrankungen und Tumorerkrankungen den dritten Platz ein. Der Schlaganfall führt häufig zu Funktionseinschränkungen mit der Folge einer Hilfsbedürftigkeit bis hin zu völliger Abhängigkeit. Auslöser für den Schlaganfall sind meist Mangeldurchblutungen (85%). Wichtige Hirnareale werden nur unzureichend mit Blut versorgt und fallen in ihrer Funktion aus. Je nach dem welcher Hirnbereich betroffen ist treten charakteristische klinische Zeichen in Erscheinung. Bekannte Symptome sind Halbseitenlähmung, Sprachstörungen, Störungen der Feinmotorik, Sehstörungen oder Gangunsicherheit. Kleine Schlaganfälle werden häufig kaum wahrgenommen und äußern sich, wenn sie wiederholt vorkommen, in einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung, in Gangunsicherheit oder Schwindel. In jedem Falle ist eine sofortige stationäre Abklärung und Therapie erforderlich, da das Risiko für einen Schlaganfall-Rückfall nach dem ersten Ereignis deutlich steigt. Hier gilt es die auslösende Ursache rasch zu erfassen und durch medizinische Maßnahmen das Ausmaß der Nervenausfälle zu reduzieren. Der akute Schlaganfall ist ein NOTFALL und muß zur sofortigen Krankenhauseinweisung führen.

Für die Akutbehandlung des Schlaganfalls stehen heute Schlaganfalleinheiten( "Stroke-Units" ) zur Verfügung. Ähnlich wie für den Herzinfarkt besteht die Möglichkeit verschlossene Hirngefäße wieder zu eröffnen (Lysetherapie), wenn die Beschwerden weniger als 3-6 Stunden zurückliegen und eine Hirnblutung (ca. 15%) ausgeschlossen wurde. Wird das Zeitfenster überschritten oder liegen Kontraindikationen für eine Lysetherapie vor, so bleibt nur die engmaschige Überwachung der Vitalparameter (Blutdruck, Herfrequenz, Blutzucker und die Beachtung von Komplikationen, etc…). Die äußerst günstige Beeinflussung der neurologischen Ausfälle durch die konsequente Behandlung abweichender Vitalparameter in der Akutphase rechtfertigt in jedem Fall die initiale Behandlung auf einer Überwachungsstation.

Die Betreuung von Schlaganfallpatienten in der Akutphase erfolgt in der geriatrische Klinik auf der Überwachungseinheit, eine Lysetherapie führen wir nicht durch und bleibt speziellen Zentren vorbehalten. Bereits in der Akutbehandlung werden Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden zur Rehabilitation eingebunden, um neurologische Restfunktion rasch zu Aktivieren und die Eigenaktivität zu Fördern. Zur Anwendung kommen hier Therapieprinzipien wie Bobath, Perfetti oder Feldenkrais.

Nach Überwinden der Akutphase auf der Überwachungseinheit erfolgt auf der Normalstation die Fortsetzung der Rehabilitation durch das geriatrische Team. Das Therapieziel einer jeden Behandlung liegt in der Reduzierung der individuellen neurologischen Ausfälle um eine bestmögliche Selbstversorgung zu ermöglich. Gegen Ende des stationären Aufenthaltes erfolgt die Entlassungsplanung, z.B. Verlegung zur weiteren Rehabilitation, Entlassung nach Hause mit Hilfsmittel und/oder ambulanter Pflege, oder Entlassung in ein Seniorenheim/Pflegeheim.

Demenz und Begleitstörung

Die Demenz ist eine erworbene langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Sie führt zu Störungen des Gedächtnisses, der Sprache, des Denkvermögens, der Orientierung sowie zur Beeinträchtigungen der autonomen Lebensführung. Dementielle Syndrome nehmen ab dem 65. Lebensjahr mit steigendem Lebensalter exponentiell zu. Betroffen sind heute 2 - 5 % der 70-jährigen, 10-20 % der 80-jährigen sowie über 30 % der 90-jährigen. In Deutschland sind zur Zeit ca.1 Mio. Menschen an Demenz erkrankt, Gesundheitsforscher erwarten ein Anstieg auf 1,8 Mio. im Jahre 2015.

Die Erkrankung beginnt oft mit kaum bemerkbaren uncharakteristischen Symptomen. Erste Hinweise für eine beginnende Demenz sind folgende Warnzeichen:

  • Rückzugstendenz aufgrund von Überforderung, depressive Stimmung
  • nachlassendes Interesse für Arbeit, Hobby und Mitmenschen
  • häufiges Vergessen kurz zurückliegender Ereignisse
  • komplexe Handlungen zu planen und auszuführen, zum Beispiel beim Einkaufen im Supermarkt, beim Koffer packen, beim Auto fahren, beim Gebrauch von Schlüsseln
  • Probleme in der Verrichtung alltäglicher Tätigkeiten, Dinge zu tun, die früher leicht von der Hand gingen, zum Beispiel Rechnen, Schecks ausfüllen ...
  • Schwierigkeiten mit der Orientierung, z.B. sich in fremder Umgebung, etwa im Urlaub, zurecht zu finden

Da die Demenz durch unterschiedliche Erkrankungen ausgelöst werden kann, sollte nach Erkennen eines Demenzsyndroms rasch eine gezielte Diagnostik erfolgen. Die Diagnose der auslösenden Grunderkrankung ist für die nachfolgende Therapie von entscheidender Bedeutung.

Nur bei circa zehn Prozent aller Demenzen können nach einer genauen Diagnostik Erkrankungen festgemacht werden, die eine Demenz auslösen (so genannte sekundäre Demenzen), das heißt, die Ursachen sind bekannt und eine ursächlich (kausale) Behandlung ist möglich.

Bei circa 90 Prozent der Demenzen sind die Ursachen unbekannt. Sie werden als primäre Demenzen bezeichnet. Davon sind:

  • circa 60 Prozent Demenzen vom Alzheimer Typ,
  • circa 20 Prozent vaskulär (gefäßbedingt),
  • circa 10 Prozent Mischformen zwischen Alzheimer und vaskulärer Form.

Diagnostik Demenz und Begleitstörung:

Besteht der Verdacht auf eine Demenzerkrankung so werden zur Diagnosefindung neuropsychologische Untersuchungen durchgeführt. Mit Hilfe psychologischer Testsysteme können Beeinträchtigungen in Teilleistungen des Gehirns herausgearbeitet werden. So lässt sich die Diagnose einer Demenzerkrankung sichern oder auch verwerfen. Hat sich der Verdacht auf ein Demenzsyndrom bestätigt erfolgen weitere klinische und apparative Untersuchungen, um die auslösende Erkrankung nachzuweisen. Zur Basisdiagnostik gehören alle Untersuchungen zum Ausschluß anderer Krankheiten (z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Vitaminmangel etc…) Zur Diagnostik stehen der Abteilung alle notwendigen Untersuchungsverfahren wie Computertomografie, Kernspintomografie, Labor, Ultraschall u.a. zur Verfügung.

In der neuropsychologischen Testung kommen folgende Testsysteme zu Anwendung:

Morbus Parkinson

Die Parkinsonerkrankung (Schüttellähmung) wird typischerweise charakterisiert durch Bewegungsstörungen mit den Leitsymptomen eines erhöhten Muskeltonus (Rigor), einer Unbeweglichkeit bis zur Bewegungsstarre (Akinese) sowie eines Zitterns (Tremor). Für viele Patienten bedeutet das eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensführung und sind auf personelle Unterstützung angewiesen. Eine frühzeitiges Erkennen der Krankheit ist wichtig um den Krankheitsverlauf zu beeinflussen. Zur Behandlung der Erkrankung kommen heute wirksame Medikamente zum Einsatz, eine krankengymnastische Übungen sollten begleitend durchgeführt werden.
Neben dem klassischen Morbus Parkinson gibt es eine Reihe von Parkinson-Syndromen mit unterschiedlicher Ausprägung der typischen Leitsymptome. Dabei stehen z.B. Ohnmachtsanfälle, Stürze, Demenz, oder Störungen des Gleichgewichts etc... im Vordergrund.

Die zur Diagnostik der Erkrankung erforderlichen Untersuchungsverfahren stehen der Abteilung jederzeit zur Verfügung. Neben der klinischen und apparativen Untersuchung - einschließlich Computertomografie oder Kernspinntomografie - richten wir unser Augenmerk auf die Begleitstörungen und körperlich funktionellen Beeinträchtigungen. Nach einem gezielten Check der Fähigkeitsstörungen folgt dann die umfassende Therapie durch unser Team.

Ziel der Therapie ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der Mobilität mit Sicherung der Selbstversorgung, Verbesserung des Gangbildes, Training der Feinmotorik (Schreiben, Knöpfeschließen, etc...), Verbesserung des Schluckens sowie Stärkung von Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen. Darüber hinaus findet eine Angehörigenberatung statt.

Jede noch so harmlose Akuterkrankung kann für den Parkinsonpatienten eine Verschlechterung seiner Symptome bedeuten. Die früh einsetzende Begleitbehandlung mit integrierter Rehabilitation schon während der Akutphase verhindert eine Parkinsonverschlechterung, reduziert die körperliche Beeinträchtigung und verkürzt den Krankenhausaufenthalt.