Ruth Glinz
ist wieder genesen dank exzellenter Kooperation von Chirurgie und Geriatrie und
Physiotherapie
Da steht sie nun wieder in der Mitte der Familie, die
Langenbergerin Ruth Glinz. Selbstverständlich war das nicht, denn die
93jährige hatte vor zwei Monaten einen Oberschenkel-Halsbruch erlitten.
Die fünffache Mutter, 18fache Großmutter und dreifache
Urgroßmutter aber war hart im Nehmen: Sie war gestolpert und schwer
verletzt - aber sie ging nicht K.O..
Ganz im Gegenteil ist Ruth Glinz mit ihrer
High-Tech-Titanhüfte jetzt wieder ganz prima "in Schuss". Das verdankt sie
einerseits der modernen Chirurgie, andererseits der modernen Geriatrie, die, so
Dr. Olaf Hagen, Chefarzt der Geriatrie an der Augusta-Kranken-Anstalt in
Bochum-Linden, leider oft missverstanden wird. "Viele Menschen denken bei
Geriatrie ans Siechtum oder sogar ans Sterben", so Dr. Hagen. "Wir machen aber
genau das Gegenteil: Wir Geriater rehabilitieren die Menschen, machen sie
wieder fit für ein möglichst eigenständiges Leben."
Am Zentrum für Altersmedizin und Pflege (LiZAP) in
Bochum-Linden wurde Ruth Glinz wieder fit gemacht für den Alltag, nachdem
Chef-Chirurg Dr. Helfried Waleczek den Bruch im Evangelischen Krankenhaus (EvK)
Hattingen mit dem sogenannten "Gamma-Nagel" operiert hatte.
Dieser Nagel aus Titan ist ein 800 Euro teures
High-Tech-Produkt. "Und weil wir diese Operation minimal-invasiv
durchführen", erklärt Dr. Waleczek, "können die Patienten -
völlig unabhängig von der Schwere der Verletzung - das operierte Bein
schon am Abend nach der Operation belasten."
Der Chef-Chirurg riet Frau Glinz lachend, dass sie
"langsamen Walzer tanzen könne, auf keinen Fall aber Tango." Die schnelle
Genesung ist das Resultat der engen Kooperation von Chirurgen und Geriatern.
Früher, so fügt er an, haben die Menschen wochenlang im Bett liegen
müssen. Heute werden sie direkt mobilisiert, bekommen Bewegungsbäder,
physikalische Therapie und Gymnastik. Da kennt sich die Langenberger Seniorin
freilich bestens aus: Auf dem mecklenburgischen Gut Trams (bei Schwerin)
geboren und aufgewachsen, war sie eine der ersten Frauen in Deutschland, die
sich zur Physiotherpeutin ausbilden ließen. Damals hieß das noch
Krankengymnastik, ein Begriff, der aber 1994 bundesweit abgelöst
wurde.
Sie lernte bei Professor Gerhard Kohlrausch, landete nach
Stationen in Berlin und Freiburg schließlich in einem Lazarett in
Hohenlüchen, wo sie alle Hände voll zu tun hatte, um Verletzten mit
krankengymnastischen Übungen bei der Genesung zu helfen. Nach einer
Zwischenstation in Zorge (Harz) kam sie mit ihrem Ehemann Hans-Karl und ihrer
Familie nach Langenberg, wo sie heute noch lebt.
Dr. ing. Hans-Karl Glinz entwarf und baute
Bergbaumaschinen und Trecker. Inzwischen hat Dr. Hans-Caspar Glinz, der Sohn
des Gründers, die bekannte Langenberger Firma schon längst
übernommen: Die Schmidt, Kranz und Co. stellt heute Maschinen zur
Rohstoffgewinnung und -förderung her - u.a. Bergbau- und Tunnel-Maschinen
sowie Druckprüfstände, Hochdruckanlagen und Flugzeugschlepper.
Ruth Glinz, die gestandene Geschäftsfrau, ist Dr.
Waleczek und Dr. Hagen richtig dankbar: "Ich bin der lebendige Beweis
dafür", sagt sie, "was die moderne Medizin heute leisten kann." (esa)
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