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Presse: Große Angst vor der Demenz

Presse: Große Angst vor der Demenz

Die WAZ-Telefonaktion zum Thema Demenz stieß auf großes Interesse in der Leserschaft.
Viele Fragen der Anruferinnen und Anrufer drehten sich um die Pflege erkrankter Angehöriger.

"Ich lasse Dinge liegen, kann mich schwer konzentrieren", klagte die 69-jährige beim Experten-Telefon zum Thema Demenz. Ängstlich fragte sie Eva-Maria Matip von der DRK-Alzheimerhilfe, ob eine Demenz vorliege? Die Psychologin konnte beruhigen. Alzheimer läge bestimmt nicht vor, dazu verliefe das Gespräch zu kommunikativ. Auch die Frage, erblich für eine Demenz vorbelastet zu sein, war ein viel besprochenes Thema beim WAZ-Gesundheitstelefon am Mittwoch.

Das war kompetent mit acht Fachleuten wie Ärzten, Psychologen oder Altenpflegern besetzt. Sie stammen aus der 35-köpfigen "Expertenrunde Demenz", die sich drei bis viermal im Jahr beim DRK trifft.

"Eine Demenz liegt zum Beispiel vor, wenn Menschen nach kurzer Zeit vergessen, dass sie soeben mit jemandem geredet haben", erklärte Eva-Maria Matip den Anrufern. Weil die über 80-jährige Mutter erkrankt war, fragte ein 65-Jähriger nach seinem "Alzheimer-Risiko". Auch hier konnte Dr. Ute Brüne-Cohrs Entwarnung geben: "Bei Patienten, die ab 65 Jahren erkranken, kann das zum Alterungsprozess gehören."
Wer allerdings Angehörige hat, die vor dem 65. Lebensjahr erkranken, könnte erblich vorbelastet sein.

Viele Kranke verweigern die Körperpflege

Die Pflege und der Umgang mit Demenz-Kranken war ein großes Thema, nach dem sich viele Anrufer erkundigten. "Demenz-Kranke verweigern manchmal die körperliche Pflege", erklärte Eva-Maria Matip. Angehörige oder Betreuer müssten dann das Vertrauen des Patienten gewinnen. Häufiges Problem scheint auch ein erhöhter Bewegungsdrang zu sein. "Wenn die Menschen sich noch in ihrer Umgebung auskennen, sollen sie sich ruhig bewegen", rieten die Experten. Die Fachleute, die sich mit großer Aufmerksamkeit den Anrufern widmeten, berieten auch zu den komplizierten Pflegegesetzen.

Die sogenannten Pflegestufen greifen oft nur bei körperlicher Krankheit. Doch bei Demenz gibt es inzwischen verschiedene Hilfsprogramme und Sonderregelungen der Kassen. "Angehörige können zum Beispiel Betreuungsleistungen beantragen", erklärte Hermann Bomholt von der AOK. Je nach Fall erhalten sie bei "erheblichem Betreuungsbedarf" bis zu 100 Euro, bei "erhöhtem Betreuungsbedarf" bis zu 200 Euro Zuschüsse. Genaue Informationen gibt es über die Krankenkasse.

Alzheimer-Infos:
Es werde in Zukunft immer mehr Alzheimer-Patienten geben, da die Gesellschaft immer älter werde. Die prognostizierten die Experten leider auch. In Bochum sind etwa 6000 betroffen. Eine gesunde Ernährung, körperliche und geistige Aktivität beugen vor. Der Erhalt von sozialen Kontakten ist enorm wichtig.
www.kv-bochum.de oder www.alzheimer-bochum.de

Quelle: WAZ Bochum, 19.09.2008, Von Jörg Kolesza


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