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Jeder vierte Arzt geht - Kassenärztliche Vereinigung warnt vor Mangel in Bochum

Jeder vierte Arzt geht

Jeder vierte Arzt geht - Kassenärztliche Vereinigung warnt vor Mangel in Bochum

Bochum. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) warnt vor einem Mangel an Allgemeinmedizinern in Bochum. Laut KV gehen hier bis 2020 50 niedergelassene Hausärzte in Rente. Jeder vierte. Demgegenüber steht ein Mangel an Nachwuchs. Schon jetzt seien an einigen Stellen in Bochum die Auswirkungen dieser Entwicklung sichtbar.

Dr. Eckhard Kampe sieht rot. Die Karte von Bochum vor ihm zeigt, wo in den kommenden Jahren eine Unterversorgung an Hausärzten droht. Rote Gebiete sind akut bedroht. Und es sind viele. Fast jeder vierte Allgemeinmediziner geht bis 2020 in den Ruhestand.

"Alle reden vom Landarzt-Mangel", sagt Eckhard Kampe, der Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). "Die Frage ist, ob es zudem einen Mangel an Stadtärzten gibt." Die Antwort: Noch nicht. Aber bald.

KV startet Weiterbildungsverbund

"Zur Zeit habe ich keinen Allgemeinmediziner, der sich in Bochum niederlassen will", sagt Kampe. Er muss jedoch acht ausgeschriebene Stellen besetzen. Nur in Bochum. Im ganzen Bezirk Westfalen-Lippe der KV gibt es für die 97 Allgemeinmediziner, die dieses Jahr ihre Prüfung bestanden haben fast 400 Hausarztstellen. In den nächsten neun Jahren, bis 2020, werden allein in Bochum 50 niedergelassen Hausärzte in Rente gehen. Jeder Vierte.

In Stahlhausen oder an der Dorstener und Herner Straße ist der Mangel bereits eingetreten. "Wir müssen junge Ärzte an die Allgemeinmedizin heranführen", sagt Kampe. Die KV startet dafür einen Versuch mit den Augusta-Krankenanstalten und gründet einen Weiterbildungsverbund.

Hürden minimieren

Kompakt und strukturiert sollen die frisch von der Uni kommenden Mediziner zu Fachärzten für Allgemeinmedizin geschult werden. Fünf Jahre dauert die Weiterbildung. Drei bis vier davon in der Klinik. Sieben neue Plätze schaffen die Augusta-Anstalten. Die KV organisiert Praxen für das letzte Weiterbildungsjahr. So sollen die Hürden für die Nachwuchsmediziner minimiert werden.

Auch finanziell wird den angehenden Allgemeinmedizinern ein Puffer geboten. Ob es hilft? "Wir sind optimistisch", sagt Olaf Hagen, Chefarzt in der Augusta-Krankenanstalt in Linden. Nicht zuletzt weil die Weiterbildung auch als Halbtagsstelle möglich und damit für junge Mütter interessant sein kann. "70 Prozent der Studienabgänger im Fach Medizin sind inzwischen Frauen", sagt Hagen.

Die KV prüft derweil, ob sie zukünftig als Arbeitgeber auftritt und eigene Praxen mit angestellten Ärzten eröffnet, um den Hausarzt-Mangel in Bochum zu verhindern.

 

Quelle: WAZ Bochum, 06.12.2011, Benedikt Reichel

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